Leseprobe aus meinem Roman LADY CARDINGTON UND IHR GÄRTNER

Nach dem Dinner gingen sie noch ins Kaminzimmer, um einen letzten Schlummertrunk zu nehmen.
„Einen Whisky?“ Ohne Michaels Antwort abzuwarten machte sich Lord Cardington an einem altehrwürdigen Barschrank zu schaffen und hantierte routiniert.
„Ja, sehr gerne.“
„Ich habe da etwas ganz Besonderes für Sie: Single Cask Malt aus einer kleinen Destillerie in den Highlands.“, verkündete der Lord feierlich und reichte seinem Gast ein schweres, fein ver-ziertes Glas, das schon ohne seinen Inhalt eine Kostbarkeit war.
„Oh! Ich bin gespannt.“ Michael führte es zur Nase und sog den Duft ein. „Sehr erlesen. Sie wissen wirklich zu leben, Charles.“
„Stark limitierte Abfüllung. Die Flaschen sind sogar nummeriert“, fügte dieser nicht ohne Stolz hinzu. „Ich kenne den Erzeuger seit langem. Er beliefert mich persönlich einmal pro Jahr.“
„Ein wirklich edler Tropfen!“, staunte Michael nach dem ersten Schluck und sah sich interes-siert im Zimmer um.
Dieser alte Herrensalon lud wahrlich dazu ein, sich zu entspannen. Mittelpunkt des Raums war ein mannshoher Kamin mit rußbedeckten Mauern, in dessen Innerem bereits ein Feuer knisterte. Um ihn herum waren wuchtige schwarze Ledermöbel gruppiert, Sessel und zweisitzige Sofas, zwischen denen kleine Abstelltische aufgestellt waren. Vor einem großformatigen Ölgemälde stand eine dunkelgrüne Chaiselongue, auf deren Fußende eine flauschige Wolldecke lag. Das restliche Mobiliar diente der Aufbewahrung von Kristallgläsern, edlen Getränken und Rauchutensilien.
Lord Cardington murmelte eine Entschuldigung und verließ diskret den Raum. Michael merkte plötzlich, wie müde er war. Dieser Tag war doch sehr anstrengend für ihn gewesen. Um nicht einzuschlafen stand er auf, ging zum Kamin und legte ein paar Holzscheite nach. Trotz der warmen Jahreszeit konnte man in diesem stets etwas kühlen Herrenhaus am Abend doch ein behagliches Feuer vertragen. Charles war noch nicht zurückgekommen und so vertrieb sich Michael weiter die Zeit, indem er Fotos betrachtete, die aufgereiht in verschiedenen Silberrahmen auf dem Kaminsims versammelt waren: Charles als Kind, mit seinen Eltern, bei einer Bergbesteigung und in Siegerposen mit diversen Pokalen. Daneben, etwas abseits stand noch die Fotografie einer Frau. Die schummrige Beleuchtung veranlasste Michael, den Rahmen vom Kaminsims zu nehmen und unter eine Wandlampe zu halten. Er erkannte nun ...

5.12.13 09:28

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